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EURO 2010: Die Isländer "kämpfen wie die Schweine"

Geschrieben von: Thomas Berger, am 21.01.2010, 10:27 Uhr

Dagur Sigurdsson muss nicht lange überlegen, um seine Traumschlagzeile bei der Handball-EM zu nennen: "Österreich gewinnt gegen Island".

Auf den Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft wartet am Donnerstag um 18.00 Uhr in Linz am zweiten Spieltag der Gruppe B sein persönlicher emotionaler Höhepunkt des Turniers, nämlich das Duell mit seiner Heimat.

"Kämpfen wie die Schweine"

"Auf uns wartet die kämpferisch stärkste Mannschaft der Welt, die kämpfen wie die Schweine", berichtete Sigurdsson, der vor allem den Charakter seiner Landsleute, die 2008 Olympia-Silber eroberten, hervor strich. "Da sind einige Charaktere drinnen, die nicht ganz normal sind."
Der 36-Jährige hat für Island mehr als 200 Länderspiele (u.a. als Kapitän EM-Vierter 2002) absolviert und mit dem Großteil der aktuellen Nationalmannschaft noch selbst zusammengespielt. 2008 hätte Sigurdsson sogar Teamchef seiner Heimat werden können, entschied sich jedoch für Österreich.

Sigurdsson ist sich sicher, dass die Isländer "wie verrückt" spielen werden, da sie am Dienstag zum Auftakt gegen Serbien (29:29) einen hohen Vorsprung aus der Hand gegeben haben.
Zum Aufgebot der Isländer gehören einige der engsten Freunde Sigurdssons, wie etwa der isländische Superstar Olafur Stefansson (36), der bereits fünfmal Sportler des Jahres war. "Sie haben unglaublich viel Routine und Charakter in der Mannschaft."

Flaggschiff des isländischen Sports

Der Stellenwert des Handballsports in Island ist gewaltig, nicht erst seit der überraschenden Olympia-Silbermedaille in Peking. Die Handballer sind sozusagen das Flaggschiff in der isländischen Sportlandschaft. "Da braucht man nicht lange diskutieren, das Herren-Nationalteam der Handballer steht in Island an erster Stelle. Dann kommen die Fußballfrauen", berichtete Sigurdsson über die Rollenverteilung in seiner Heimat.

Warum Handball auf der knapp 320.000 Einwohner zählenden Insel sogar dem Fußball den Rang abläuft, das kann Sigurdsson nicht so genau erklären. "Was dahinter steckt ist auch mir ein ziemliches Rätsel. An der Menge der Leute kann es ja nicht liegen. Es gibt auch keine super Akademie oder Ähnliches. Aber dafür ist die Vorbildsache sehr wichtig, wie in Österreich bei den Skisportlern. Da sehen die Kinder im Fernsehen die großen Helden und wollen dann auch so werden."

Hohe TV-Zuschauerzahlen garantiert

Durch die hohe Zahl an isländischen Spielern im Ausland avancierte die nationale Meisterschaft zu einer ausgezeichneten Schule für Talente."Viele Spieler bekommen schon mit 16 oder 17 Jahren die Chance, in der ersten Liga zu spielen. Dadurch sind sie spätestens mit 25 fertige, routinierte Handballer", berichtete Sigurdssson. Das Spiel am Donnerstag wird Island wieder extrem hohe TV-Zuschauerzahlen bringen.

Natürlich auch aufgrund der speziellen Konstellation wegen Sigurdsson. "Aber auch, weil sich die Leute von der schweren Wirtschaftskrise ablenken wollen und es derzeit sehr kalt und dunkel ist. Da freuen sich alle, wenn die Handball-Nationalmannschaft spielt", weiß Sigurdsson.

Angst vor einem Einreiseverbot im Falle eines Sieges gegen seine Heimat hat Sigurdsson nicht: "Nach dem Spiel sind wir ganz sicher wieder Freunde."

Quelle: laola1.at (Sebastian Rauch)